Eine Naturkatastrophe kommt! Wie Metaphern zu Othering-Prozessen beitragen

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    Cecilia Mussini
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    Wichtig! Dieser Beitrag enthält Links zu rassistischen Inhalten. Ziel des Beitrages ist es, die Strategien von Hassrede besser zu durchschauen, um sich besser dagegen wehren zu können.

    Metaphern sind ein mächtiges Instrument für Othering-Prozesse. So werden z.B. Migrant_innen in Hasskommentaren mit Tieren, Bakterien oder (Natur)katastrophen verglichen, wie der schon zitierte Band zu Hate Speech in der EU zeigt:

    Most work dealing with the use of metaphors in discourse related to migration (see, for instance, Santa Ana 1999) has shown that it is often being conceptualised as a natural or manmade disaster (typically referred to using lexemes related to floods, tsunamis or pollution) and migrants, refugees and foreigners as menacing animals, bacteria and beasts of burden.

    Natürlich kann Metaphorik auch weniger explizit verwendet werden, wie es bei dem Post von AfD-Spitzenfigur Katrin Ebner-Steiner der Fall ist, den ich heute ansprechen möchte:

    “Wahre Tierschützer wählen #AfD! Infos unter: http://maehtoo.de/”.

    Zusätzlich zum Text teilt Ebner-Steiner ein Bild, in dem einem Lamm ein Gedanke zugeschrieben wird:

    “Ich heiße Heidrun, und gehöre hierher. Eid al-Adha nicht…”.

    Was sagt uns diese Kombination aus Text und Bild?

    • Der Spruch “Mähtoo”, auch im Bild wiederholt, will an das traurig berühmte Hashtag #metoo erinnern, das von missbrauchten Frauen verwendet worden ist, um traumatische Gewalterfahrungen öffentlich zu machen. “Mähtoo” will auf der einen Seite eine Personifizierung von Lämmern nahelegen: Lämmer haben wie Frauen das Recht, nicht missbraucht zu werden. Auf der anderen Seite legt aber der Spruch auch den Gedanken nahe, dass #metoo-Frauen wie eine Schafherde sind – die Social-Moden (wie dem #metoo-Hashtag) folgen, ohne in der Lage zu sein, selbständig zu denken.
    • Das Lamm behauptet, hierher zu gehören. Wer hingegen gehört hierher nicht? Die “anderen”, natürlich! Dass es sich um Muslime handelt, wird durch den Bezug auf das islamische Opferfest Eid al-Adha klar, das immer wieder Debatten auslöst.
    • Muslime gehören also nicht hierher und sind anscheinend – wie der Post andeutet (“Wahre Tierschützer wählen #AfD!”) – Herzfeinde vom hübschen Lamm, das im Bild gezeigt wird. Der Zusammenhang zwischen Text und Bild ist unklar, bis man auf den Link http://www.maehtoo.de clickt. Dort wird argumentiert, dass Halal-Schlachten nicht nur gegen Tierrechte, sondern auch gegen die deutsche Verfassung sei. Der muslimische Kult soll daher an sich gegen die deutsche Verfassung sein.

    Haben Sie schon auf die Metaphorik über Minderheiten – z.B. Migrant_innen, Mitglieder der LGTBQI-Community usw. – bei Social-Media-Posts und Kommentaren geachtet?

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