Wie das Internet die Grünen vor einer Pleite bewahrt hat

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    • #781 Reply
      Antje Schrupp
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      Da hatten die hessischen Grünen – oder ihre Werbeagentur – eine schlimme Idee: Auf einem der Plakatentwürfe für die Hessischen Landtagswahlen sollte die schlechtere Entlohnung von Frauen zum Thema gemacht werden. Zu sehen war darauf das Gesicht einer Frau mittleren Alters, und dazu der Text: „Als Frau endlich mehr spüren – im Portemonnaie“.

      Echt jetzt? Entsetzt waren offenbar auch einige Teilnehmerinnen der Sitzung, bei der die Plakatmotive vorgestellt wurden. Jedenfalls posteten einige den Entwurf auf Facebook, und in relativ kurzer Zeit kam da ein ganzer Haufen Kritik von „humorlosen Feministinnen“ zusammen, die deutlich machten, das diese Art schleimig-sexualisierende Doppeldeutigkeit gerade bei der anvisierten Zielgruppe überhaupt nicht gut ankam.

      Es dauerte auch in der Tat nur ein, zwei Tage, und der Slogan wurde verändert – „Als Frau endlich mehr haben – im Portemonnaie“ hieß es schließlich auf den Plakaten, die auch auf den Straßen zu sehen waren. War dann zwar ein bisschen dröge, aber immerhin nicht schlimm.

      Allerdings, das Thema war in der Welt. Und natürlich wurde auch darüber diskutiert, dass es bessere Plakate gegeben hätte. @schwarzblond etwa postete dieses hier auf Twitter – und umgehend wurde es auch mein Lieblingsplakat. Slogan: „Schwänze an die Macht!“ Zu sehen: Der Hinterkopf einer Frau mit Pferdeschwanz.

      Was meint Ihr: Ist es gut, wenn im Internet vorab über Plakatentwürfe diskutiert wird, weil die schlimmsten Peinlichkeiten so vermieden werden können? Oder droht die Gefahr, dass am Ende nur noch weichgespülte Wahlwerbung aufgehängt wird?

    • #784 Reply
      Ina Wittmeier

      ob provokativ oder weichgespült hängt für mich davon ab, welches Image man vermitteln will. Partizipationsprozesse zu nutzen (im Netz oder sonstwo) halte ich für ein gutes Vorgehen. Die richtigen Themen sind wichtig und Geschlechtergerechtigkeit ist ein zentrales Thema, das meiner Meinung nach auch etwas über den Reife-Grad der Gesellschaft aussagt.

    • #785 Reply
      Cecilia Mussini
      Teilnehmer

      Partizipative Prozesse sind gut, das stimmt; allerdings halte ich sie manchmal in der politischen Kommunikation für problematisch.

      Als Kommunikationsberaterin einer Abgeordnete habe ich oft versucht, die Leser_innen in partizive Prozesse mit einzubeziehen. Es ging nicht direkt um eine Beratung zu Kampagne-Sprüchen, aber das Ergebnis war ungefähr folgendes:

      Auf der einen Seite bekamen wir Inputs, was gut sein kann – aber entweder waren sie sehr wenige oder sie waren soooo viele und so unterschiedlich, dass sie wiederum fast unbrauchbar waren;

      Auf der anderen Seite entwickelte sich in denjenigen, die geantwortet hatten, eine gewisse Erwartungshaltung (“mein Tipp war so gut und ihr habt nicht zugehört!”), die zu sicherer Enttäuschung geführt hat.

      Damit will ich nicht sagen, dass Partizipation schlecht sei – im Gegenteil – sonder dass es für politische Kommunikation eine Herausforderung ist, gleichzeitig partizipativ und professionell, empathisch und entscheidungsfreudig zu sein (Ja, man muss in der politischen Kommunikation auch entscheidungsfreudig und schnell sein, da sich alles sehr schnell entwickelt und das Thema des Tages eben nur sehr schnell als solches wieder verschwindet).

      Epic fails können natürlich auch durch Profis entstehen, wie Antje gezeigt hat, aber ich wette, dass auch partizipative Prozesse dazu führen können 🙂

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